Mittwoch, 21. April 2021

Das Leben und die Frage nach Glück scheinen untrennbar verbunden.

 

 

Das Leben ist die einzige Gewissheit, die dem Menschen gegeben. Jahrmilliarden des Daseins; was der Mensch aber wahrnimmt, ist die Aneinanderreihung der, scheinbar vom Zufall emporgebrachter, Ereignisse und dahinter der Zwang der Vorsehung, das Karma, das ängstigt. 

Wie viele sind im Schoß der Ewigkeit versunken? Niemand hier auf Erden kann das sagen; niemand zählt mit. Ihre Geschichten, zusammengefasst zu Zeitaltern und Epochen; und sie, die Namenlosen, haben ihre Welt geformt und verändert, nach etwas getrachtet, es erreicht oder sind gescheitert. Ihr Sein war Streben und diese Suche, dieses Fragen hinterließ uns das Erbe, in Kultur, Religion oder Wissenschaft.

Was war das Streben? Wozu ruft die Seele auf? Sie verlangt nach dem Absoluten, es ist ihr Quell und, sobald die Reise des Irdischen angetreten, auch ihr Ziel. Die Krone der Schöpfung vernimmt diesen Ruf als ein Verlangen, eine Sehnsucht. Die Sehnsucht zu stillen, das macht das Streben aus. Wie die Sehnsucht zu stillen ist, das gilt es während der Reise herauszufinden; der Wille, der das Feuer des Herzens entfacht, wird den Weg hoffentlich zu weisen wissen; die Erinnerung an das Absolute aber schwindet, sobald die Seele das Diesseitige erreicht. Allein der Ruf der Sehnsucht kitzelt von innen und erweckt das Streben, denn es ist die Bestimmung, dem Rufe der Seele zu folgen.

Der sinnliche Mensch unterliegt nur zu leicht der Verlockung, sich selbst als das einzig Wahre anzunehmen. So ergab es sich, dass vielfach Niederes zum Ziele galt. So und noch anders kam Leid in die Welt und schuf diesen scheinbaren Widerspruch zwischen dem Absoluten und dem, was irdische Bewusstsein Realität nennen.

So kam es, dass Menschen sich Ziele setzten, und, sofern sie diese erreichten, erfuhren sie ein Empfinden tiefster Zufriedenheit, eine Glückseligkeit, ein Anflug von Liebe, dies Seelenelixier. So strebte die Menschheit nach Glückseligkeit für einen Hauch von Liebe.

Was ist Glückseligkeit? Zunächst ein Gegensatz zum Leid. Ist Glückseligkeit ein Zustand? Dann ist es das Leid auch. Ist es an einem konkreten Ereignis festzumachen? Das Leid ist es häufig. Kann Leid durch Glück aufgehoben werden? Das Glück kann es.

Und schließlich, wonach streben Menschen? Ganz gleich, was ein Mensch auch tut, er tut dies, um seine tiefe Sehnsucht zu stillen, um dem Rufe seines Innersten zu folgen. Wozu ruft ihn sein Innerstes? Das eines jeden Menschen zu etwas anderem, möchte man meinen. Jemand möchte reich, ein anderer berühmt und ein Dritter gebildet oder anerkannt sein. Ja, das sind verschiedene Bestreben und Ziele; doch wozu werden sie alle bemüht? Doch nur um der besagten Sehnsucht willen, diesem nagenden Gefühl an der Seele Grund, das die Menschen dazu antreibt, sich so zu verhalten, wie sie es tun - herzlich oder grausam. Das Stillen eben dieser Sehnsucht ist des Menschen Streben nach Glückseligkeit, denn ein tiefer Instinkt, eine Art Vorahnung, sagt ihm, dass er ein gutes, ein leichtes Gefühl in seinem Herzen haben werde, sobald er diese Sehnsucht gestillt hat.

Die Schwierigkeit besteht darin, dass sie sich häufig über die tieferen Beweggründe ihres Handelns nicht bewusst sind. Sie tun all die Dinge, die sie tun, im Glauben, damit ein ganz konkretes Ziel zu erreichen, ihre Existenz zu sichern oder ein Unglück abzuwenden, welches ihnen oder ihrer Familie schaden könnte. Auch das sind auf Glückseligkeit gerichtete Bestreben, denn ein Mensch, der so handelt, ist glücklich, wenn er seine Familie beschützt weiß. Wenn dieser Mensch sein Leben bewusst darauf ausrichten würde, so würde er, anstatt ein innerlich verängstigter Beschützer zu sein, der stets bemüht ist, die nächste Katastrophe abzuwenden, sich zu einem mutigen Menschen entwickeln, der weit- und umsichtig seine Lieben durch das irdische Dasein führt. Ein solcher Mensch wäre ein Beschützer, kein Opfer der Umstände. Das Bewusstsein um das Getane, das ist es, was ein Mensch braucht, um sein Dasein dieser seiner Bestimmung zu überlassen.

Es sind also vier Größen, die der Menschen Leben dominieren: Ihr Sein, die Bestimmung ihres Seins und die Einsicht, dass diese Bestimmung keine zufällige ist, sondern eine Notwendigkeit, weil ein Höheres das Sein und die Bestimmung lenkt. Die letzte Größe ist das Leid, mit welchem sich das menschliche Sein von Anbeginn der Zeit konfrontiert sieht, welches zuweilen als ein Gegenspieler des Absoluten, sein Widersacher, angesehen wird und viele Namen trägt.

Dabei ist das Sein selbst das Einzige, was unbestreitbar ist. Und es ist allein durch seine Bestimmung gerechtfertigt. Nur dann wird der Drang der Menschen nach dem Höheren, welcher ihrer Existenz schon immer innewohnte, ganz gleich wie hoch entwickelt die von ihnen geschaffenen Kulturen auch waren, verständlich. Es ist die Bestimmung der Menschen nach Glückseligkeit zu streben, welche wiederum im Höheren verborgen liegt. Was ist das Höhere? Was ist diese Sehnsucht? Das kann allein die Liebe sein, denn nichts anderes bringt den Menschen Frieden und beruhigt ihre Angst, als wenn sie Liebe in ihre Herzen lassen.

Das Leben, das Sein, diese Gefangenschaft in der Freiheit aller Möglichkeiten, welchen Sinn hätte es, ohne ein Höheres des Universums, das unser Begehren über die Zeiten und die ungezählten Opfer hinweg schon immer rechtfertigte, weil es das Angestrebte selbst ist, ein höchstes Gut - ein Absolutes also?

Der Gewahrsam in der Eigenverantwortlichkeit ist ein Selbstzweck, weil voller Möglichkeiten. Das Sein ist der Schlüssel, denn Alles, Was Ist, ist das Sein. Der Tod beendet die Gefangenschaft in der Freiheit und damit auch alle Möglichkeiten derselben; er leitet die Freiheit in der Gefangenschaft der Liebe ein. Dort, wo wir in der Liebe sind, haben wir keine Wahl; wir brauchen sie nicht länger; in der Liebe sind wir am Ziel.

Gefangen in der Freiheit seiner Möglichkeiten sieht der Mensch seines Willens Antlitz. Der Wille ist des Menschen Wärter und Urgrund. Er leitet und entscheidet. Und der Mensch trägt die Verantwortung, selbst dann, wenn er sie leugnet und dem Verwahr seiner, meist verkannten, Selbstbestimmung anlastet. Es ist also das Sein, das notwendige und unvermeidliche Sein, welches das von Anbeginn der Zeit feststehende Ziel des Strebens - der Selbstverwirklichung - in einem Willensakt der Liebe erreichen darf.

Somit ist das Sein eine Notwendigkeit, die auf die Liebe als das höchste Prinzip überhaupt ausgerichtet ist.

Wie das Leid in unsere Welt kam? Das, so scheint es mir, ist eine notwendige Bedingung, hier, im Gewahrsam der Möglichkeiten; einen freien Willen zu haben, bedeutet eben wählen zu dürfen.

Um seine Bestimmung des Strebens nach dem Höheren der Liebe überhaupt erst wahrnehmen zu können, muss der Mensch die Wahl haben, zwischen der Liebe als Glück und der Angst als Leid. Philosophen haben die Angst und das Leid in ein Vielfaches geteilt - ein moralisches oder ein natürliches etwa, als ein gerecht- oder ungerechtfertigtes und je nach geltender Konstitution schien dies mehr oder weniger sinnvoll. Ungeachtet dessen blieben beide Größen im Raum: Das Leid und das Streben nach dem Höheren der Liebe.

Die Ungezählten, alle, die gelebt haben, sie haben diese Schlacht täglich geschlagen, welche die Theologen und die Philosophen durch eine rechte Strukturierung aufzulösen hofften; sie haben gelitten und ein jeder für sich hat nach einer Antwort gestrebt. Ein jeder hat diese Antwort bekommen, nur hat nicht jeder sie auch vernommen. Und diejenigen, die sie vernommen haben, haben sie nie derart beantworten können, dass es für alle Gewesenen, Seienden und Werdenden genügt hätte - dies scheint die Lücke des Systems, es kann nicht einer für alle sprechen. Es ist ein jeder noch so ehrgeiziger Seiende aufgerufen, die älteste Frage der Welt stets aufs Neue zu beantworten und die so schwer dem Leid entlockte Wahrheit genügt nur für einen Augenblick - dann ist auch sie dahin, da das Ewige Leben ein neues Seiendes emporgebracht.

So ist auch diejenige Geschichte, die so viele Jahre Leid mit sich brachte auch nur in dem Moment wahrhaftig, in dem sie vernommen wird und im nächsten verfliegt sie schon, wie das Leben selbst....

Samstag, 18. April 2020

Steppenblume


Wann habe ich das letzte Mal die Ruhe der roten, in den unendlichen Weiten der Steppe untergehenden Sonne genossen? Es ist so lange her, es scheint in einem anderen Leben gewesen zu sein ….

…Ein Sommer im Reich meiner Sehnsucht, der Steppe. Verloren steht der Mensch inmitten des grünen Meeres, das sich am Horizont mit dem Blau des Himmels vereint. Er versucht die Stelle zu finden, an der sie sich vereinen, aber findet sie nie – die Steppe geht immer weiter, sie ist ihr eigenes Universum. Nichts schränkt den Blick ein, das Fühlen oder das Denken – der Mensch sieht alles, was er sehen kann und will, er ist wahrhaftig frei. Es existiert nichts, was ihn beeinflussen kann – verloren in der Steppe, setzt sich jeder seine eigenen Grenzen. Das Maß der Sehnsucht entscheidet über die Tiefe der Empfindung. Das schleichende Verfärben des Wermuts, das nach der langen, hitzigen Dürre den Herbst ankündigt, die Luft, die immer weniger nach heißer Erde riecht und der Himmel, der aus einem Azurblau zu einem immer undurchsichtigeren Grau sich verneigt und die Trauer des Regens annimmt. Das alles ist da, direkt vor des Menschen Augen und doch braucht der Mensch mehr, als nur seine Augen, um all das sehen zu können.
Der Glaube, Freiheit ließe sich in einer politischen Struktur ausdrücken, ist töricht und anmaßend. Freiheit ist die Wahl, etwas zu tun oder zu unterlassen – und es gibt nur einen Weg, den Menschen dazu zu bringen, diese Wahl zu treffen: Man lasse ihn inmitten einer gefühlten Steppe, in einem gefüllten Vakuum, bis er resigniert oder, nachdem die Sehnsucht seine Seele bis an die Grenze des erträglichen überflutet hat, explodiert und beginnt, zu sehen. Das Nichts ist nichts weiter als die übersehene Fülle. …

Schmerzlich nahm ich Abschied von den Düften, den Winden und dem Flüstern des bitteren Wermuts, die mir von den fernen Welten erzählten, die auf mich warteten.
Wir versprachen einander die ewige Treue. Nie würde mein Herz etwas anderes begehren, als das Reich meiner Sehnsucht. Nie würde das Reich meiner Sehnsucht mich verlassen – es würde leben vor meinem inneren Auge und meine Seele nähren, wie eine Wurzel.
So viele Jahre sind seitdem vergangen. Ich habe jede Freiheit verloren und meine Seele weinte um meinen gequälten Geist, der sich in der Dunkelheit schund. Laut rief sie die nährende Wurzel zu Hilfe und die mächtige Steppe erhob sich, sandte dem Geiste ihre heißen Winde und ihre brennende Sonne, rief den Duft des Wermuts in ihm wach. Schwankend erhob sich der Geist, um den Gruß zu erwidern, erinnerte sich, dass er selbst es ist, der sich die Trennlinien seiner Möglichkeiten malt und ausradiert. Die Seele trank die Lebensgeister der Grenzenlosen und ist wiedererwacht, weise und geflutet von der Erinnerung meiner fernen Heimat.

Nirgendwo auf der Erde ist der Mensch so frei und so verloren, wie im Reich meiner Sehnsucht. Um die Steppe zu lieben, muss man ein Steppenkind sein, lieben lernen kann man sie nicht. Oder doch? Ich weiß es nicht. Ich bin die Steppenblume.

Dienstag, 21. Januar 2020

In Memoriam

Ilja nahm sich viel Zeit, um hinter die Fassade zu blicken.
Das Leben schreitet unerbittlich voran; auch der Tod vermag es nicht aufzuhalten.
 »Mir ist, als stünde ich vor dem Antlitz der eigenen Vergänglichkeit und Nichtigkeit, die mir mein Spiegelbild im dunklen Fenster entgegenhält. So viele Ahnungen und Vorbestimmungen aus der Jugend, wo sind sie alle hin? Seit ich mir meiner bewusst ward, vernahm ich, dass eine Berufung, ein Verhängnis meinem seltsamen Lebenswege beigelegt war; ich bin so viele wundersame Pfade gegangen, doch nirgends hat sich die Vorahnung erfüllt - bis sie ganz und gar entschwunden schien. Ist das, was das Alter parat hält, Lassheit und Einöde? Ist das jenes Gefühl, das uns auf den Abschied vorbereitet? Hat mich mein Animus betrogen? Oder habe ich ihn betrogen? Das soll kein Klagelied werden; mein Erdenleben war von Anbeginn an mit so viel Liebe beseelt, dass die meisten Menschen alles geben würden, um Derartiges einmal erfahren zu dürfen. Obgleich der Liebe jederzeit dankbar, habe ich mich stets gefragt, womit ausgerechnet ich sie verdient habe?
Wie konnte es mir passieren, dass aus all der Liebe, die mir geschenkt, nichts als Ängstlichkeit hervorging und das Unvermögen, der so tief empfundenen Bestimmung zu folgen? Das meiste meiner Zeit und Kraft habe ich darauf verwendet, mich konventionell zu fühlen, anstatt mich zu fügen und zu begreifen, wer ich bin. Jetzt, da ich mir meiner Zeitlichkeit bewusst zu werden beginne, weiß ich die Antwort.
Der Magie des Universums in den Sternen willfahrend, habe ich im Geraune der Gräser und im Chor der Winde den Frohgesang der Schöpfung vernommen; meine Schuldigkeit bestand allein darin, Worte zu finden, für die Hymnen des Weltenbaus.
Solange habe ich Taubheit geheuchelt; so viel Schönheit und Weisheit sind in den Tiefen meiner Seele erblüht und zu Staub zerfallen. Das ist es, was mir die Trauer meines Herbstes beschert. Die Jugend habe ich mit Suchen und Zweifeln verbracht; war bemüht, ein »Ich« zu finden, von dem ich glaubte, das würde der Welt, wie ich sie sah, besser gefallen, anstatt den Mut aufzubringen, mein wahres »Ich« aufzurichten. Kein Kampf ist so verheerend und keine Lohe so verzehrend, wie die, die man in und gegen sich selbst ausficht. Da man gleichermaßen Sieger und Besiegter bleibt. Jetzt, an der Schwelle zur Reife, habe ich, außer eines verwüsteten Schlachtfeldes, nichts vorzuweisen - der Krieg um sich selbst bringt keine äußeren Trophäen. Dieses eine Mal nur will ich klüger sein; anstatt mich, wie gewohnt, in Scham der Konvention zu beugen und mich entweder mit den Fetzen meiner Erfolge zu brüsten oder mich hinter den Mauern der Rechtfertigung meiner Niederlagen zu verschanzen, will ich lernen zu SEIN.
Ich bin der Stein, der sich als Vogel träumt; mein freier Fall - der einzig Flug, zu dem ich fähig - bringt mich heim ...«

Riesen erheben sich langsam; es liegt nicht in der Natur des Bedeutenden, zu hasten. Die Reife tritt allmählich, fast unmerklich ein und bleibt eine Weile unbemerkt. Wie sich das Licht der aufgehenden Sonne langsam vom Horizont aus über die Welt ergießt, so überkommt auch die Reife das Gemüt - unerwartet und gleichsam lang ersehnt ...

Freitag, 27. Mai 2016

In der Wüste



Im Minutentakt taucht der Himmel in bläulich-oranges Purpur. Die unendlichen, gleichmäßigen und zarten Wellen des Sandes, die tagsüber noch bläulich schienen, verfärben sich nach und nach lila.
Farblich bilden der Himmel und die Wüste am Horizont eine Einheit – orange-lila farbige  Pinselstriche gehen vom Horizont aus nach oben, von der dunkel gelben Disk der Sonne in der Troposphäre über die rötliche Stratosphäre bis hin zum edelsten Purpur der Mesosphäre. Der Sand spiegelt die Farben des Himmels wie Wasser. Die Kontraste der einzelnen Farbsegmente werden immer deutlicher, bis die Nacht ihren dunklen Schleier fallen lässt.
Der Mond thront am nächtlichen Himmel zusammen mit den Glasperlen der Sterne seinen weißen Gruß an die Erde. Das Licht der Nacht ist so kalt wie sie selbst. Sie scheint kurz. Zögerlich und schüchtern beginnen die Sterne ihre Unterhaltung. Sie erkundigen sich nach meinem Wohlergehen und nach dem Ziel der Reise. Ich kann jedoch nicht erzählen, was ich nicht weiß.
Wer bin ich, was fühle ich, wohin will oder soll ich – ich habe keine Antworten auf diese simplen Fragen. Ich frage die ehrwürdigen Himmelskörper, ob sie vielleicht eine Antwort auf diese Fragen wissen? Sie sind so weise und sehen so viel – kannten wir uns vielleicht, bevor ich Mensch wurde? Waren sie schon mal Menschen oder ist diese Form des Seins zu simpel für die ewige Schöpfung?
Die silbrige Nacht erreicht ihren monochromen Höhepunkt und im Zenit meiner Offenbarung werden die silbrigen Schatten kürzer und der erste zarte, rötlich-gelbliche kündigt den Beginn eines neuen Tages an.
Wie eine Königin ihren Thron besteigt die Sonne die Himmelsscheibe. Das Licht ihres Heiligenscheins überstrahlt die Sterne und den Mond; das kalte, schwarz-weiße Schauspiel der Nacht weicht im Rhythmus meines Herzens der gelben Farbpallette des Tages. Die Wellen des Sandes erstrecken sich, soweit mein Auge sehen kann – von einem Hügel zum nächsten. Der gesamte Horizont wird von Hügeln umrandet, die, wie Märchenschlösser, im Nebel des Sonnenlichts liegen und dem Himmel ihre staubigen Grüße empor schicken.
Wenn es mir vergönnt wäre, frei zu sein, könnte da der Ort meiner Bestimmung eine Rolle spielen? Diese Frage ist nicht zu beantworten, da das Leben, im Gegensatz zu den Gesetzmäßigkeiten der Sprache, keinen Konjunktiv kennt. Ich weiß aber mit Gewissheit, dass der beste Ort, um die Erde zu verlassen, die Wüste ist. Wie ein Ozean wird sie mein Geheimnis verbergen.